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Roses, Clematis and Peonies
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Geschichte der Stadt Hamburg
(1856)  Page(s) 590-593.  
 
Bemerkenswerth war der Rosenstreit, worüber Folgendes: Seit 1816 erzogen im Flottbecker Garten die Gebrüder Booth eine wunderschöne Rosenvarietät, welche sie als „Königin von Dänemark" in den Handel brachten. Der hiesige Director des botanischen Gartens, Professor Lehmann, sprach 1828 in einem Kataloge dieses Instituts bei einer Rosenvarietät la belle courtisane" aus: "In einem französischen Rosenverzeichniß von 1806 findet sich die Bemerkung, daß diese Rose aus der großen holländischen Centifolie und der Maidenblush entstanden sei und dieser Entstehung ihren Namen verdanke. In einigen Katalogen hiesiger Handelsgärtner ist diese Rose neuerdings als „Königin von Dänemark bezeichnet." Im Factischen hatten nun gewiß sowohl Gebrüder Booth Recht, wie auch Professor Lehmann; aber letzterer befand sich in einem wesentlichen Irrthume, als er jene Bemerkung: über die Rose niederschrieb. Er sprach eine Synonymik auf dieselbe Weise aus wie dies, täglich unter Botanikern mündlich und schriftlich geschieht und vergaß dabei, daß seine Gegner keine Botaniker, sondern Handelsgärtner wären, die geneigt sein mußten bei jener Erklärung zu vergessen, daß nicht ein Gelehrter als solcher in seiner Fachsprache zu ihnen rede, sondern etwa ein ámulirendes Handelsinstitut aus handelsfeindlichen Zwecken. Dieser durch einige Klugheit des Auftretens zu vermeiden gewesene Erfolg trat nun auch ein. Die Booth publicirten nun eine heftige Replik in ihrer Auffassungsweise und unterbreiteten dem gewaltsam herangezogenen Gegner jedes schlechte und neidische Motiv. Im Kataloge von 1829 wiederholte Profeffor Lehmann die Behauptung, „daß die Königin von Danemark's Rose ein Synonym seiner belle courtisane Rose sei" und vindicirte das Recht, Synonyme zu berichtigen, ohne die Gegner durch ein Wort zu verlehen und unstreitig in der Meinung, in der Sache selbst Recht zu haben. Der Flottbecker Katalog von 1829 und 1830 brachte seine frühere Erklärung mit einem Beweise provocirenden Zusatze, daß die von Booth als neu verkaufte Rose schon früher bekannt gewesen sei. Der Katalog des botanischen Gartens von 1831 erwiderte: „er behalte den Namen belle courtisane bei, weil diese Rose unter diesem Namen wenigstens in Frankreich, und den Niederlanden allgemein bekannt, auch schon von Redouté abgebildet sei, ehe man ihr den Namen Königin von Dänemark beigelegt habe." Professor Lehmann hatte sich hier vom gelehrten auf ein ihm fremdes Gebiet gewagt, wo es keine fixirte Literatur, folglich keine Entscheidung über Synonymik, folglich keine Beweiskraft für eine Bezeichnungsweise giebt. Die Gegner hielten nun die Streitfrage als eine buchstäblich zu erörternde Rechtsfrage fest und als Professor Lehmann im Katalog von 1832: die bisherige Synonymik festhielt, traten sie mit einer sehr heftigen Schrift hervor, worin der Professor, ganz als Feind behandelt wird, den man die unlautersten Motive unterbreitet - und welcher sowohl Charakter wie Eigenthum seiner Gegner habe antasten wollen. Der allenfalls von ihm zu stellende Beweis konnte nicht auf die Existenz des Namens der Rose gehen, sondern nur auf die frühere Existenz einer der Booth'schen völlig gleichen Rose und deren allgemeine Verbreitung in den Gärten vor der Zeit, da die bestrittene in dem Flottbecker Institute: entstand. Die Allgemeinheit der Verbreitung war eine unstreitig zu gewagte Behauptung des Professors Lehmann, wie ihm auch die Booth durch Zeugnisse von fremden Handelsgärtnern nachwiesen, als nun Jener 1833 im Correspondenten erklärte: seine Berichtigung solle keine Streitschrift gegen Booth sein und habe er nicht gesagt, daß die gedachte Rose unter dem Namen da belle Courtisane von Redoute abgebildet sei, sondern nur, daß das: Bild jener Rose wirklich dort stehe, während die Gebrüder Booth seiner ersten Erklärung jene bestimmtere Deutung, unterbreiten wollten. Diese Ansicht legten sie denn auch in einer bitteren und schmähenden Broschüre an den Tag. Bei einer von Professor Lehmann im botanischen Garten gemächten Ausstellung des Redoute'schen Werkes wollten Einige in der dort abgebildeten Rosa alba bifera die Rose Königin von Dänemark“ wieder erkennen, andere dagegen nicht. Die Sache erlangte durch Børlegung von Briefen, namentlich der Copie eines für Lehmann schlagend sprechenden von Thouin, und Zeugnissen eine ganz unverdiente und größere Aufreizung fördernde Publicität. Vergebens sachte ein Anonymus im ruhigen Tone darzuthun, daß die Angriffe der Gebrüder Booth auf Professor Lehmann, selbst auf irrigen Vorstellungen von dessen Absichten und Gesinnungen und auf einem gereizten Mißverstehen seiner Worte beruhten. Eine zweite Schrift G. Booth's spielte nun in beispielloser Härte die Sache ganz auf das Gebiet des Charakters, des absichtlichen hinterlistigen Trugs von Seiten des Profeffor Lehmann. Daraus, daß der Chevalier Hardy, einer der größten Rosenkenner Frankreiche, die belle courtisane nicht zu kennen erklärte, sollte gefolgert werden, daß Professor Lehmann eben diese Rose an Hardy gesendet habe, um sie durch ihn erst in Frankreich zu verbreiten und ihre Autorität betrüglicher Weise zu begründen, eine wahre petitio principii. Näher lag es hier jedenfalls, die Sicherheit des Erinnerungsvermögens des Herrn Hardy ebenso sehr zu bezweifeln, wie die Begründetheit der Ueberzeugung des G. Booth, als er in der unbelaubten belle Courtisane bes Luxemburger Gartens sofort die Rose Königin von Dänemark“ erkannt haben wollte. Noch mißlicher sah es um die daraus abstrahirten Folgerungen aus. Durch seine Stellung gedrängt, verantwortete sich nun Professor Lehmann in einer ruhig und klar geschriebenen Broschüre gegen jene heftigen Angriffe, und es stellte sich klar heraus, daß beide Parteien Gewährsmänner für ihre Behauptung hatten, von denen die mit positiven Behauptungen, an Zahl die wenigeren, auf: Professor Lehmann's Seite standen. Ein Unglück für die Sache, noch mehr aber für den Mittelsmann war es zu nennen, als ein geachteter hamburgischer Arzt sich bewegen ließ, diese Rolle zu übernehmen, indem es ihm gelang, um des lieben Friedens Willen, wie der würdige Wees van Esenbeck sich ausdrückte, zu Concessionen gegen Ueberzeugung und gegen den reinen Thatbestand zu verleiten und er es am Ende Keinem, sich am Wenigsten, zu Dank machte, zumal die eine Partei es verkennen wollte, daß jeder Vergleich nur in einer relativen Aufopferung des wirklichen Rechtes und der Wahrheit beruht. Uebrigens wirkte das in diesem Streite erzeugte Gift, geschärft und lebendig erhalten durch die Verse des Pasquillanten Hocker, dem jeder Skandal willkommener Vorwand zur Fabrikation schlechter Verse gab, noch lange in anderen Verhältnissen, die später besprochen werden sollen, fort, 
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